"Staat ohne Medien" oder "Medien ohne Staat"

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El Pedro
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"Staat ohne Medien" oder "Medien ohne Staat"

Beitrag von El Pedro » Mi Mär 13, 2019 5:50 pm

Eine "alte philosophische Diskussion" ist die Beschäftigung mit der Frage:
Vor die Wahl gestellt, was wäre zu bevorzugen: "Staat ohne Medien" oder "Medien ohne Staat"?

Ich habe mich in dem Folgenden dieser Betrachtung gestellt:

Die spontane Erstreaktion auf diese Fragestellung kann wohl nur sein:
„Himmel! Weder-Noch!“

Ich möchte vorerst bei meiner intuitiven Reaktion bleiben.
Die Zweitreaktion, die ich vielleicht noch revidieren werde, lautet: „Lieber Medien ohne Staat! - als Staat ohne Medien.“
Schlichte Begründung:
„Staat“ bedeutet „Macht“.
„Medien“ bedeuten „Betrachtung“.
Im besten und klassischen Fall: „Enthüllung“
„Betrachtung“ und „Enthüllung“ sind beides Formen der „Kontrolle“.

„Macht ohne Kontrolle“ wäre „absolute Macht“.
Zu absoluter Macht kann nur ein Satz in den Sinn kommen:
„Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut“.

Absolute Macht, ohne jedwede Kontrolle, kann nicht nur die Brutstätte von Willkür (nebst, selbstverständlich, zügelloser, Korruption) sein – es ist bereits die Definition von Willkür.

Legt man dem Gedanken noch eine vielleicht essenzielle Erkenntnis über den Mensch und sein prinzipielles Wesen zu Grunde, dann dürfte „Gier“ eine der menschlichen Charaktereigenschaften sein, auf welche man sich „verlassen“ kann.
Es wäre also nicht nur wahrscheinlich, dass „Staat ohne Medien“ in zügelloser Bereicherung, Korruption, Günstlings- & Vetternwirtschaft versinken würde, sondern eine Gewissheit.
Eine Gewissheit welcher man nicht bloß spekulativen Charakter attestieren kann, sondern konkrete Beispiele verfügbar sind:
Im Mindesten all jene Staaten, in welchen auch heute noch / in jüngster Vergangenheit, die Medien unter striktem staatlichen Kuratel stehen bzw. standen.

versus: „Medien ohne Staat“?
Ich gehe bei meiner Betrachtung davon aus, dass es sich bei diesen „Medien“ (Plural) nicht um „gleichgeschaltete Medien“ handelt. Denn das wäre ja wieder nur eine andere Form von „Staat“ - wiewohl in einem anderen Kleidchen.

Wenn es also „mit einander konkurrierende Medien“ sind, dann würde ich den folgenden Standpunkt vertreten: „Information“ bewirkt „Reaktion“.
Immer, Selbst dann wenn diese Information manipulativ wäre.

Dem „lediglich konsumierenden Volk“ wäre vermutlich die eine wie die andere Variante gleichermaßen gleichgültig. Auch jetzt konsumiert diese „Masse“ allenfalls eine mediale Informations-Quelle und vertritt daher die, von dieser Quelle vertretene, Meinung.
Inklusive der politischen.
Diese Masse unterhält sich auch nur mit Anderen welche in aller Regel aus der gleichen Quelle schöpfen.
Medien und Staat verschwimmt somit zu einem „Einheitsbrei“ der nicht mehr, zumindest nicht leicht, zu unterscheiden ist.

Womit das „Zünglein an der Waage“ - jene für welche diese grundsätzliche Frage überhaupt von einer gewissen Relevanz ist, eine gewisse „intellektuelle Oberschicht“ wäre.
Menschen die sich aus mehr als einer Quelle informieren.
Wozu sie bei „Medien ohne Staat“ (in der von mir als Annahme vorausgesetzten Version) reichlich Gelegenheit hätten.

Information bewirkt Reaktion.
Sagte ich bereits.
Womit die Informationen durch die „Medien ohne Staat“ zu dem Paradoxon führen müssten, dass sich aus der Information ein Staat, oder staatsähnliche Strukturen, bildet.
Gibt es keine Legislative, Judikative oder Exekutive, werden die Menschen die aus den Medien gewonnene Information in Eigeninitiativen verwandeln. Beispiel: Stichwort „Bürgerwehr“.

Geht man zusätzlich davon aus, dass die „10 Gebote“ eigentlich ausreichen um das Zusammenleben einer menschlichen Gemeinschaft zu regeln, müsste die gegenständliche Fragestellung fast erweitert werden.
Und zwar um den Faktor „Religion“.
Religionen haben immer, vor Staaten, zwischen Staaten, in größeren oder kleineren Gefügen alle drei Säulen des Staates getragen.
Es war ein bewundernswertes Kunststück, den Religionen diesen Status offiziell weg zu nehmen.
Manche Gesellschaftsformen laborieren noch heute an diesem Problem.

Religion gibt jedoch die Spielregeln, welche die Interaktion innerhalb einer Gemeinschaft regeln, durch „Glauben“ vor.
Verlangt von ihren Mitgliedern auch diesen Glauben.
Unterbindet Zweifel.

So gesehen wäre auch bei einer Erweiterung der Fragestellung immer noch: „Medien ohne Staat“ vorzuziehen.

Zumal durch die Medien, die Grundlage für sämtliche Maßnahmen um, mehr oder weniger große, Gruppen für ihr Zusammenleben zu konditionieren, Information und Wissen – anstelle von Glauben und Gehorsam wären.

Information und Wissen führt – mehr oder weniger, direkter oder indirekter – zu pragmatischen Entscheidungen.
Gelten diese „pragmatischen Entscheidungen“ für eine mehr oder weniger große Gruppe, entsteht daraus zumindest zunächst ein rudimentärer Staat.

Womit ich zu meinem persönlichen, und wie gesagt reichlich spontanen, Conclusio käme:
„Staat ohne Medien“ würde zu Willkür und Chaos – und damit zum Zusammenbruch einer Gesellschaft führen.
„Medien ohne Staat“ hingegen würde zur Bildung staatstragender (aka. Das Zusammenleben der Gemeinschaft reglementierenden) Strukturen führen. Zweiteres ist also ein gesunder, guter und wertvoller Entstehungsprozess – während ersteres nur destruktiv sein kann.

Somit würde ich für „Medien ohne Staat“ votieren.

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